In Wismars Altstadt gibt es seit 1999 ein Quartiersmanagement – das sind Ansprechpartner:innen und Vermittler:innen, die sich mit um die soziale und kulturelle Begegnung und Entwicklung der Altstadt kümmern. Im Quartiersmanagement geht es darum, die unterschiedlichen Akteure in einem Stadtteil miteinander ins Gespräch zu bringen, zu informieren, zu aktivieren und so ein lebenswertes, positives und zukunftsfähiges Umfeld für alle zu schaffen. Seit fast zehn Jahren betreiben wir den TiL – Treff im Lindengarten als Ort der Begegnungen, betreuen einen Verfügungsfonds für Bürger:innen und Akteure, mit dem Ideen für die Altstadt umgesetzt werden können, und unterstützen Projekte, Initiativen und Netzwerke in der Altstadt.
Im Sommer 2025 hat das Quartiersmanagement eine Online-Umfrage bereitgestellt, um seine aktuellen Arbeitsergebnisse und Angebote zu überprüfen. Diese Ergebnisse möchten wir hier veröffentlichen, ebenso wie die daraus resultierenden Pläne für die nahe Zukunft.
Mehr als die Hälfte derjenigen, die an der Umfrage teilgenommen haben, wohnen und arbeiten nicht in der Altstadt. Ein Fünftel der Teilnehmenden lebt mit erziehungspflichtigen Kindern im Haushalt, fast die Hälfte ist ledig und ein Drittel liiert. 60% sind Frauen, 35% Männer, 5% haben keine Geschlechtsangabe gemacht oder „divers“ angegeben.
Die 7% Kinder/Teenager und jungen Erwachsenen haben sehr häufig „keine Angabe“ angegeben, was darauf hinweist, dass diese Zielgruppen noch kaum direkt erreicht wurden.
Eingangsfragen zu Bekanntheit und Sichtbarkeit
Der TiL – Treff im Lindengarten ist so gut wie allen, die an der Umfrage teilgenommen haben, bekannt. Das Quartiersmanagement hingegen ist weniger als der Hälfte der Teilnehmer:innen bekannt und ist, wie sich im Verlauf herausstellen wird, den meisten auch kein Begriff. Die generelle Sichtbarkeit des TiL wird von 60% positiv beurteilt, jedoch nicht mal ein Fünftel finden sie richtig gut. Das Programm des TiL ist mehr als 80% bekannt. Knapp 40% kennen den TiL über persönliche Kontakte wie Familie, Freunde, Kolleg:innen und ein weiteres Viertel über öffentliche Veranstaltungen im TiL sowie durch ihre Wege durch den Lindengarten.
Die meisten informieren sich über Veranstaltungen allgemein über das Internet. Mit etwas Abstand folgt der Veranstaltungskalender der städtischen Webseite „wismar.de“ und Gratiszeitungen, danach werden Freunde, PPush und Zeitungsabo genannt. Dann folgen mit größerem Abstand Instagram, Facebook, nebenan.de und andere. Das Schlusslicht bilden Plakate und Flyer.
Hierbei muss im Hinterkopf behalten werden, dass zwei Drittel der Teilnehmer:innen der Umfrage sich zu den „älteren Erwachsenen“ und „Senior:innen“ zählen und nur 7% „Teenager“ oder „junge Erwachsene“ sind. Das Quartiersmanagement und der TiL haben weder einen Instagram- noch einen TikTok-Account. Das ist für jüngere Menschen nicht so ganz nachvollziehbar. Bislang haben wir bewusst auf Social Media Accounts verzichtet, da die Betreuung solcher Accounts zeitintensiv ist und von uns nicht dauerhaft gewährleistet werden kann. Zukünftig wollen wir unsere Informationen gezielt an reichweitenstarke Accounts spielen, damit diese sie teilen und reposten. So möchten wir unsere Sichtbarkeit in den sozialen Medien verbessern.
Wie zufrieden sind Sie mit dem Treff im Lindengarten?
Der TiL – Treff im Lindengarten ist unser Haupt-Arbeitsort und Aktionsfeld. Hier geht es um Begegnung, Austausch, Vernetzung und Teilhabe. Wir haben zuerst die Zufriedenheit mit der Einrichtung in Bezug auf einzelne Aspekte abgefragt und zum Schluss die generelle Zufriedenheit mit dem TiL. In allen Kategorien liegt die Summe der positiven Bewertungen („sehr gut“ und „eher gut“) zwischen zwei Drittel und Dreiviertel, dabei überwiegt der Anteil der „sehr gut“-Bewertungen in allen Bereichen, außer bei der Öffentlichkeitsarbeit. Dort ist auch die Bewertung „eher schlecht“ im Vergleich mit den anderen Kategorien am höchsten. Die meisten „schlecht“-Bewertungen finden sich mit knapp 13% in der Kategorie „Öffnungszeiten“; sonst liegen die „schlecht“-Bewertungen bei 5-6%. Dass unsere Öffentlichkeitsarbeit noch verbesserungswürdig ist, haben wir bereits festgestellt. Die schlechte Beurteilung der Öffnungszeiten hängt auch mit unseren Arbeitszeiten zusammen: Der TiL ist Montag bis Donnerstag in der Regel von 9 bis 17 Uhr besetzt, an den Abenden und am Wochenende aus Personalgründen jedoch nur bei Sonderveranstaltungen. Darüber hinaus gibt es nach Rücksprache mit uns die Möglichkeit, dass sich Gruppen auch außerhalb unserer regulären Öffnungszeiten im TiL treffen. Möglicherweise ist dieser Umstand nicht allen Nutzer:innen bekannt.
Unabhängig von der allgemeinen Bewertung des TiL fragten wir auch nach den Eindrücken zum Personal. Im Schnitt sind die Teilnehmer:innen mit der Leistung der Mitarbeiterin (zum Zeitpunkt der Umfrage war ich noch allein im TiL) zu 50% sehr zufrieden. Weitere 17% finden die Leistung im Mittel „eher gut“. Die „schlechten“ Bewertungen befinden sich zwischen 5 und 8%. Ein Fünftel der Teilnehmer:innen hat keine Angaben zu den Kategorien gemacht.
Wie zufrieden sind Sie mit der Bandbreite und Qualität des Programms im Bürgertreff?
Was wir ausgiebiger abgefragt haben, sind Bewertungen zur inhaltlichen Programmgestaltung des TiL, um unerkannte Bedarfe zu ermitteln und hier nach Notwendigkeit Anpassungen vorzunehmen.
Bei der Programmbewertung für unterschiedliche Zielgruppen war abzusehen, dass sich Senior:innen am ehesten wiederfinden und über 60% das Programm positiv sehen, da sie die Gruppe mit der größten freiverfügbaren Zeit am Tag sind und auch die Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer:innen bilden. „Kinder&Jugend“, „Frauen&Mädchen“ und Familien finden sich nur zu einem guten Drittel positiv vertreten, allerdings machen zwischen 40-50% in diesen Kategorien gar keine Angabe, gegebenenfalls auch aus dem Grund, dass ein Großteil der Umfrage-Teilnehmer:innen dieser Lebensphase entwachsen sind. Berufstätige sind die Zielgruppe, die über am wenigsten freie Zeit verfügt und dazu in der Regel nur am Rand der Öffnungszeiten des TiL. Dass das Programm für Berufstätige nur knapp 30% positive Bewertung erhält, verwundert daher nicht. Auch darf nicht vergessen werden, dass ein Großteil der Nutzer:innen den TiL von sich aus nutzen und nur ein geringer Teil der Angebote vom TiL selbst gestaltet werden kann; diese Angebote richten sich dann in der Regel an Familien, Kinder und Jugendliche und Veranstaltungen, an denen auch Berufstätige teilnehmen können.
In den Bereichen „Bildungsangebote“ und „Entspannung & Bewegung“ sind 13% sehr zufrieden und 30-40% eher zufrieden, ein Drittel hat keine Angabe gemacht. Im Vergleich sind bei kulturellen und kreativen Angeboten ein Fünftel bis ein Viertel sehr zufrieden und 25-35% eher zufrieden, auch hier hat ein Drittel keine Angabe gemacht. Die Ergebnisse im Entspannungs-/Bewegungsbereich und bei den Bildungsangeboten geben Anlass zu Verbesserungsbemühungen.
In den Bereichen „Interkulturelle Angebote“ und „Demokratie-Angebote“ sowie in Bezug auf „Nachhaltigkeit & Umwelt“ und „Changeprozess“ haben sehr viele, nämlich zwischen 33 und 50% keine Angabe gemacht, was die sonst überwiegend guten und sehr guten Bewertungen zwischen 40-50% etwas relativiert. Das interkulturelle Angebot halten wir deswegen für ausbauwürdig. Angebote im Bereich „Changeprozess“ richten sich stärker an Akteure und Organisationen, die an dieser Umfrage kaum teilgenommen haben. Das erklärt, warum hier fast die Hälfte der Teilnehmer:innen nichts angegeben hat.
Mit knapp 60% positiven Bewertungen, was die Offenheit für neue Programme betrifft, gehen wir davon aus, dass es für Nutzer:innen leicht ist, mit Ideen an uns heranzutreten und sie in Umsetzung zu bringen.
Ein Viertel ist mit dem Angebot insgesamt sehr zufrieden, weitere 40% eher zufrieden, 12% sind weniger zufrieden und 6% unzufrieden; ein Fünftel hat keine Angabe gemacht.
Zu den TiL- bezogenen Antworten möchten wir erwähnen, dass 5% der Umfrage-Teilnehmer:innen, trotz der Angabe das Programm des TiL nicht zu kennen, alle weiteren Fragen mit „schlecht“ beantwortet haben, wodurch zwar eine Grundunzufriedenheit dargestellt wird, aber keine spezifischen Rückschlüsse möglich sind.
Im Freitextbereich wurden uns Wünsche mitgegeben nach mehr intergenerationalen und interkulturellen Veranstaltungen, Formaten zur Vorbeugung von Einsamkeit, Kinoabende und Computer-/Medienhilfe, Veranstaltungen für Berufstätige, Gesundheitsformate, Infoveranstaltungen, ökologische Angebote mit dem Lindengarten, Flohmarkt und mehr Programm für junge Leute – oder überhaupt Infoveranstaltungen zum Angebot im TiL.
Der Bitte, das Mitbringen von Hunden und andere Tieren in den TiL zu erlauben, können wir nicht nachkommen, da wir auch Menschen mit Tierhaar-Allergien und Ängsten vor Tieren die Nutzung des TiL ermöglichen möchten. Aus Rücksichtnahme auf andere Nutzer:innen ist uns das leider nicht möglich.
Wir nehmen uns Ihre Wünsche zu Herzen. Die anderen Ideen werden wir nach Möglichkeit in unsere Programmplanung einfließen lassen. Wir haben bereits insofern auf die geäußerten Bedarfe reagiert, als zum Jahr 2026 zwei neue Senior:innen Gruppen gestartet sind (der Offene Senior:innen Treff sowie eine Gruppe für Kulturausflüge) und wir die intergenerationalen Wunschgroßeltern aufbauen, bei denen wir junge Familien und Senior:innen zusammenbringen möchten. Das Café Miteinander des Büros für Chancengleichheit ist abgesehen vom Frühstück am ersten Freitag im Monat und der Abendveranstaltung am letzten Freitag auf den Montagnachmittag gerutscht, damit mehr Berufstätige daran teilnehmen können. Wir kooperieren seit dem Frühjahr mit der Bewegtbildbande für Filmveranstaltungen, nehmen weiterhin an der Online Bildungsreihe für Senior:innen „Digital Schritt halten“ teil, arbeiten öfter mit dem NABU zusammen, zuletzt bei einer Vogelzähl-Aktion im Januar, suchen Bands für Terrassenkonzerte im Sommer, haben neuerdings auch alle zwei Monate den Spendenbügel mit seinem Flohmarktformat „Bügeltausch“ bei uns und heißen donnerstags ab 14 Uhr die Sprechstunde der Streetworker im TiL willkommen. Auch haben wir donnerstags am Nachmittag ein offenes Angebot für Familien reaktiviert, bei dem Kinder verschiedenen Alters im TiL spielen können. Wenn Menschen Ideen für neue Gruppen haben, die sie auch gerne leiten möchten, stehen wir für Planung und Umsetzung zur Verfügung!
Wie zufrieden sind sie mit dem Quartiersmanagement?
Ein großer Fragenblock der Umfrage hatte das Quartiersmanagement zum Thema. Vor dem Hintergrund, dass der TiL nur ein Teil des Quartiersmanagements ist und das Konzept für die Altstadt Wismar überarbeitet wurde, da ab 2026 insgesamt weniger Personalressourcen für das Quartiersmanagement zur Verfügung stehen, schien dies angezeigt.
Die sieben Fragen zu Bereichen des Quartiersmanagements haben die Hälfte bis zwei Drittel der Umfrage-Teilnehmer:innen mit „keine Angabe“ beantwortet, was wir auch als „keine Ahnung“ werten können. Zwischen 9 und 13% sind mit den Leistungen des QM sehr zufrieden, weitere 13-18% bewerten sie ebenfalls „eher gut“. 4-10% halten die Leistungen für „eher schlecht“ und die üblichen 4-7% finden sie „schlecht“. Das heißt, diejenigen, die mit den Fragen etwas anfangen konnten, werten die Leistungen zu rund Zweidritteln positiv. Für die meisten gilt es jedoch zu klären: Was ist Quartiersmanagement überhaupt? Quartiersmanagement ist letztlich eine Mischung aus bürgernaher Stadtentwicklung und Sozialarbeit / Gemeinwesenarbeit, die sich auf einen konkreten Raum bezieht, also auf einen Stadtteil, ein Sanierungsgebiet oder ein Quartier. Damit dieser Raum lebendig und lebenswert wird und bleibt, müssen Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Akteure und die Bewohner:innen miteinander reden, sich austauschen und vernetzen. Hierzu bedarf es Orte der Begegnung (wie zum Beispiel den TiL) und Initiator:innen und Koordinator:innen, die diesen Austausch unterstützen. Dafür ist das Quartiersmanagement da. In unserem Quartier „Altstadt Wismar“ gibt es noch eine weitere Besonderheit: den Verfügungsfonds. Das ist ein kleiner Fonds mit einem Volumen von bis zu 10.000 €, der den Anwohner:innen und Nutzer:innen der Altstadt zugutekommen soll. Ziel ist es, den Anwohner:innen die aktive Mitgestaltung des Quartiers zu ermöglichen und das gemeinschaftliche Leben in der Altstadt zu bereichern. Letztes Jahr wurden zum Beispiel ein Beamer und eine Leinwand für die Bewegtbildbande und ein mobiles Ausstellungssystem für den Kunstverein gefördert. Bis letztes Jahr ging das über das Stadtteilbüro Hinter dem Chor 9. Seit 2026 sitzen wir beide, die Quartiersmanagerinnen der Altstadt, hier im TiL, sodass der TiL für alle Belange Anlaufstelle ist. Kommen Sie gerne mit Ihren Fragen und Ideen vorbei. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!